Das Warten hat ein Ende

03. Juli 2022

In unserem dreiwöchigen Urlaub, den wir normalerweise auf Charisma verbringen, fahren wir diesmal nach Südfrankreich, um das Teak vom Laufdeck zu entfernen. Ich hatte mich vorher bei Bavaria vergewissert, dass unter dem Teak das ganz normale GfK-Deck ist, als ob man ein Boot ohne Teak bestellt. Gott sei Dank ist es auch so.

Und wir bringen schon eine Menge Sachen mit an Bord. Unter anderem die Fahrräder, die uns vor Ort wirklich sehr hilfreich werden würden. Aber auch schon viele andere Sachen, die wir zu Hause nicht mehr benötigen würden. Auf jeden Fall ist der Passat bis unter das Dach voll. Die Fahrt verläuft problemlos. Besonders in Frankreich, wo es – im Gegensatz zu Deutschland – so gut, wie keine Baustellen auf den Autobahnen gibt.

Vor Ort angekommen räumen wir erst mal aus und ein. An diesem Morgen ist mal so gar kein Wind. Und es ist schon um 1000 so unerträglich heiß, dass einem der Schweiß nur so runterläuft. An Arbeiten ist überhaupt nicht zu denken. Aber, da wir die Nacht durchgefahren sind, sind wir eh ziemlich platt. Birte schläft erstmal ein paar Stunden und ich sitze im Restaurant im Schatten und relaxe. Das Restaurant am Platz (inkl. Hotel) ist gut besucht und ich schnappe ein Gespräch einer Kellnerin mit deutschen Gästen auf. Da denke ich mir „Die quatscht Du doch gleich mal an.“ Wir kommen ins Gespräch und sie erzählt mir, dass sie Yvonne heißt, aus Rendsburg kommt, lange auf einem Traditionssegler gearbeitet und dort einen Franzosen kennen und lieben gelernt hat und nun seit 3,5 Jahren hier lebt. Und dieser Franzose, Jean Claude, besitzt einen 15 m langen Zweimaster, den sie nun aufarbeiten und auch im September damit auf große Fahrt gehen wollen. Die Welt ist klein…

Am nächsten Tag fangen wir an, das Teak „abzuklöppeln“. Diesen Begriff hat Birte erfunden und ich finde ihn ja irgendwie süß. Zu unserem Glück setzte an dem Tag der Mistral ein. Mistral ist ein – zum Teil extrem starker – Wind, der das Rhonetal runterbrettert. Ich hatte auch mal die Instrumente angeschaltet und den höchsten Wert, den ich gemessen hatte, war 52 kn. Das ist Windstärke 11. Und das im Hafen an Land. Das hatte nun allerdings zwei Vorteile. Zum einen ist es nicht so heiß und zum anderen kommen die Moskitos dagegen nicht an. Port Napoléon liegt ja in der Camarque und die ist nun mal für Mücken berüchtigt.

Das „Abklöppeln“ ging doch relativ gut. Wir hatten zwei Multimaster, haben mit einer glatten Klinge den Kleber eingeschnitten und dann mit dem Stechbeitel und Hammer Stück für Stück das Teak abgetragen. Allerdings konnten wir nur bis zur Mittagszeit arbeiten. Dann wurde es trotz Mistral in der prallen Sonne zu heiß. Port Napoléon liegt ca. 5 km vom nächsten Ort entfernt. Port-Saint-Louis-du-Rhone. Und da ist auch der Supermarkt. Also sind wir jeden Tag mit dem klimatisierten Passat in den klimatisierten Supermarkt gefahren und haben nur den täglichen Bedarf eingekauft. Und schön laaaaaangsaaaaam durch den Supermarkt. Allerdings hatte das den Effekt, dass, wenn wir wieder rauskammen, das Gefühl hatten, direkt in eine Sauna zu gehen. Am späten Nachmittag haben wir dann die Arbeit wieder aufgenommen und teilweise bis 2030 weitergklöppelt.

Eines Abends sitzen wir im Restaurant zum Essen – und das Essen ist dort wirklich gut – fragt Yvonne uns, ob wir später noch Lust hätten, zum Barbecue zu kommen? Wie jetzt Barbecue? Na ja, sie würden sich mit einigen anderen, die auch hier ihre Boote fertig machen, noch treffen. Manchmal wird noch der Grill angeschmissen und Bier gibt es auch. Wann? So gegen 2300. Ok, wir schauen mal. Eigentlich sind wir platt. Aber das Angebot nehmen wir trotzdem an. Gesagt getan. Vor Ort sind ca. 8 – 10 Menschen. Holländer, Polen, Franzosen, Engländer und wir. Und wir werden sehr herzlich aufgenommen und bekommen prompt erstmal ein Bier in die Hand gedrückt. Es wird noch ein sehr netter und lustiger Abend. Daraus resultiert allerdings, dass wir nicht, wie normalerweise, um 0600 aufstehen. An diesem Morgen müssen wir erstmal unseren Kater pflegen. Es entwickelt sich allerdings eine sehr schöne Community mit den „Gleichgesinnten“.

Nach vier Tagen ist das Avalon „nackig“. Es ging doch viel schneller, als gedacht. Nun ist Samstag und wir überlegen uns, dass wir uns auch mal was Schönes gönnen sollten. Wir hatten von Yvonne den Tipp bekommen, dass Samstags ins Arles – ca. 35 km entfernt – ein legendärer Markt stattfindet. Der ist 2 km lang und bietet nur Produkte aus der Region. Also machen wir uns am späten Vormittag auf nach Arles. Und es hat sich wirklich gelohnt. Wenn man in dieser Gegend ist, sollte man diesen Markt besuchen.

Nach dem Markt haben wir noch die Stadt besichtigt. In Arles gibt es ein Colosseum, was schon vor über 1000 Jahren erbaut wurde. Hier finden immer wieder Veranstaltungen satt. Konzerte, aber leider auch Stierkämpfe. Wir wussten bis dato gar nicht, dass es auch in Frankreich Stierkämpfe gibt. Wir verabscheuen solche Greuelveranstaltungen zwar, haben uns das Colosseum aber dennoch angeschaut. Schon beeindruckend, was damals schon möglich war.

Eigentlich hätten wir nun wieder nach Hause fahren können. Denn wir wollten ja nur das Teak entfernen. Aber Birte meinte, wir könnten ja auch noch ein paar Tage bleiben und weiter arbeiten. Gesagt, getan! Und so haben wir noch ein paar andere Sachen in Angriff genommen. Ich habe angefangen, den Rumpf zu polieren und Birte hat innen „ausgemistet“. Unglaublich, was da alles zum Vorschein kam. Und so gingen die Tage dahin, bis wir nach 10 Tagen Avalon verlassen, nach Hause fahren und doch noch eine schöne Woche mit Charisma auf der Ostsee verbringen.