Als erstes haben wir angefangen, das Boot „auszumisten“. Ihr Segler kennt es ja wahrscheinlich auch. Mit der Zeit wird immer wieder etwas angeschafft und angeschafft und angeschafft. So ein Boot bietet ja doch erstaunlich viel Stauraum. Oft weiß man gar nicht mehr, wieviel Zeugs man eigentlich an Bord hat. Und unsere Vorbesitzer waren auch sehr sicherheitsbewusst. Da ist dann mal nicht nur EIN Ersatz-Impeller für die Wasserpumpe an Bord, sondern gleich drei. Und so war es in allen Bereichen. Das krasseste war das Staufach unter dem Bett in der Vorschiffskammer. Ich war im Cockpit und Birte hat ausgemistet. Da kam als erstes mal eine Feststoffweste nach oben geflogen. Danach kam eine Feststoffweste nach oben geflogen. Und dann kam eine Feststoffeste nach oben geflogen. Ich habe dann mal gefragt, ob das eigentlich irgendwann mal aufhört? Antwort: “ Noch lange nicht!“ Insgesamt waren es dann acht (8). Aber vier Automatikwesten waren auch noch an Bord.
Es waren so unfassbar viele Sachen an Bord, die wir zwar noch gut waren, wir aber nicht brauchten. Es wäre eigentlich Sünde, so gute Sachen zu entsorgen. Wir haben dann mal Yvonne (Ihr erinnert Euch? Die Rendsburgerin, die im Restaurant arbeitet und schon 3,5 Jahre vor Ort ist) gefragt, ob es irgendwo einen Raum gibt, wo man solche Sachen hinbringen kann, damit sie vielleicht noch von anderen genutzt werden können. Gibt es nicht, aber auf dem Platz wird es so gehandhabt, dass man solche Sachen neben die Müllcontainer legt. Das ist das Zeichen für andere, mal zu schauen, ob sie es gebrauchen können. Also haben wir alles – inkl. 8 Feststoffwesten – , was wir nicht mehr brauchten neben die Container gelegt. Und was soll ich sagen? Es hat keine Stunde gedauert, dann war ALLES weg. Ich denke, dass ist das beste Recycling, was es gibt. So geht Nachhaltigkeit!
Am 23. September kamen dann Birte’s Eltern zu Besuch. Bzw. Birte’s Mutter und ihr Stiefvater. Wir hatten irgendwann mal aus Spaß gefragt, ob Sie zur „Taufe“ kommen würden. Als Antwort kam von Brigitte sofort: „Klar!“ Und wenn Brigitte und Josef etwas zusagen, dann kann man sich auch darauf verlassen. Josef ist Österreicher und hat noch ein schönes, altes Haus in Vorarlberg. Die beiden pendeln eigentlich permanent zwischen Deutschland und Österreich hin und her und werkeln am Haus. Zu dem Zeitpunkt waren sie mal wieder in Österreich und sind von dort aus aufgrebrochen. Leider hat es in der Nacht zu Samstag angefangen, zu regnen. Und es wollte und wollte auch nicht aufhören. Wir hatten geplant, mit den beiden nach Arles zum Markt zu fahren. Immer, wenn wir dachten, jetzt hört es auf, weil auf dem Regenradar eigentlich nichts mehr zu sehen war, hat es wieder angefangen. Na ja, gegen Mittag war dann aber tatsächlich Schluss. Aber trotzdem war es kalt und bewölkt. Aber egal. Wir sind losgefahren und es war auch wieder schön. Irgendwann kam sogar noch die Sonne raus und wir sind noch in einem netten Lokal eingekehrt. Und beim Baumarkt waren wir auch noch. Wir hatten uns überlegt, in dem großen, allerdings auch tiefen Stauraum unter dem Bett in der Vorschiffskammer einen Zwischenboden einzuziehen. Unten könnten wir dann Sachen, wie Ersatzteile oder Werkzeuge stauen, die man halt äußerst selten braucht. Und dafür brauchten wir eine entsprechende Holzplatte. Es war ein sehr schöner Tag, der damit endete, das wir auf dem Markt gekaufte Thunfischsteaks gegrillt haben.





Aber Brigitte und Josef waren nicht nur zum Spaß da, sondern auch, um zu helfen. Also haben sich Birte und Brigitte daran gemacht, die Klebereste vom Teak abzuschleifen und Josef und ich haben uns um die Technik gekümmert. Wir haben den Windgenerator verkabelt die Passarelle umgesetzt und den Außenborderkran angebaut.


Die beiden waren uns eine sehr große Hilfe und dafür noch mal ein riesengroßes Dankeschön an Euch beide. Dienstag mussten sie uns allerdings schon wieder verlassen, weil Rentner nun mal sehr wenig Zeit haben. Die nächste Aufgabe stand auf dem Programm.
Nun waren wir wieder auf uns allein gestellt und hatten noch eine Menge Arbeit vor uns. Geplant hatten wir eigentlich, so um den 30. September Port Napoléon zu verlassen und nach Malle – genauer gesagt nach Alcudia – zu segeln, weil dort Freunde von uns mit ihrem WoMo dort eine Woche Urlaub machen wollten. Aber es kam natürlich anders. Der Grund dafür war das Ruderlager, was wir noch erneuern wollten, weil das Ruder sehr schwergängig war. Das Ruderlager hatten wir schon zu Hause gekauft und normalerweise ist es keine große Sache, das zu erneuern. Das einzige Problem dabei ist, dass man dafür das Ruderblatt ausbauen muss. Und das geht nicht, wenn man so an Land steht. Denn der Ruderschaft (also die Welle) ist so lang, dass man das Ruder nicht herausbekommt. Es sei denn, man gräbt ein 50 cm tiefes Loch. Das geht natürlich auch nicht. Also musste Avalon über eine Grube gefahren werden, damit wir das Ruder ausbauen konnten. Auch das war kein Problem. Kurz bescheid gesagt und schon kam der Transporter und hat Avalon über die Grube gefahren. Beim Ausbau hat es dann leider einen Unfall gegeben. Das Ruder ging zunächst sehr schwer raus, kam dann aber plötzlich mit Schwung. Und das Teil ist wirklich schwer. Ich schätze mal bummelig 80 kg. Dabei ist Birte mit samt Ruder in die Grube gefallen und ist mit der linken Wange auf der Betonkante aufgeschlagen. Ich konnte mich gerade noch halten, aber der Anblick ihres Aufschlags ging mir durch Mark und Bein. Ich bin sofort zu ihr in die Grube gesprungen, konnte aber keine größeren Verletzungen erkennen. Kühlen war erstmal angesagt. Ich bin mit dem Fahrrad ins Office gefahren und habe dort gefragt, ob sie vielleicht Kühlpads haben. Sie fragten, warum und ich habe kurz berichtet, was passiert war. Julie, eine ein bißchen deutsch sprechende Mitarbeiterin hat überhaupt nicht gezögert und sofort einen RTW gerufen. Gut, ich fand es jetzt ein bißchen übertrieben – es hat ja nicht mal geblutet (verzeih mir, Schatz) – , aber Vorsicht ist besser, als Nachsicht.
Julie und ein weitere Mitarbeiter sind auch gleich mit einer Golfkarre hinter mir her zu Birte gefahren. Sie hatte schon ein kaltes Bier an der Wange und es ging ihr auch schon wieder besser. Die Tränen waren schon getrocknet. Aber die beiden haben sich rührend gekümmert und gefühlte 8,3 Minuten später war auch schon der RTW da. Birte wurde untersucht und dann als „Nicht-so-schlimm-alles-wird-wieder-gut“ entlassen.
Das Gute bei einem Menschen, wenn er verletzt ist, ist ja, dass es in den meisten Fällen wieder ohne weiteres Zutun verheilt. Bei einem Ruderlagergehäuse ist das leider nicht so. Denn, als Birte wieder einigermaßen einsatzfähig war und wir das Lager erneuern wollten, haben wir entdeckt, dass das Gehäuse, in dem das Lager sitzt, übelst „weggefault“ war. Das Gehäuse ist aus Allminium und hat dem Seewasser nicht mehr standgehalten. Als ich das gesehen habe ist meine Laune auf den Tiefpunkt gesunken. Denn das Gehäuse zu erneuern ist ein mittelscherer Akt. Ich hatte das gleiche ein paar Jahre vorher schon mal bei Charisma. Da musste das gesamte Gehäuse rausgesägt und ein neues einlaminiert werden. Wir haben uns erstmal wieder zu unserem Platz fahren lassen und haben dann überlegt, was wir nun machen. Ich habe einen befreundeten Bootsbauer angerufen und er hat auch gleich zugesagt, zu uns zu kommen und ein neues Gehäuse einzulaminieren, weil er eh einen Auftrag in Marseille hatte.



Dann bin ich aber noch zum Workshop vor Ort gegangen, habe dort unser Problem erörtert und der Chef sagte mir, dass es diese Gehäuse von Jefa (ein Hersteller von Ruderlagern in Dänemark), als Ersatz gibt. Ah, ok. Dann rufe ich doch mal bei Fa. Kohlhoff in Altenholz an. Die Jefa-Vertretung in Deutschland, wo ich ein paar Jahre vorher auch das neue Lager für Charisma gekauft hatte. Dort wurde mir bestätigt, dass Jefa diese Ruderlagergehäuse, die original von einem französischen Hersteller stammen, nachbaut. Und zwar aus Kunststoff. Das war mal eine gute Nachricht. Denn das bedeutete, dass nichts neu einlaminiert werden muss, sondern, dass nur ein neues Gehäuse eingeklebt werden muss. Ich habe dann das neue Gehäuse bestellt. Allerdings hatte es eine Lieferzeit von zwei Wochen. Damit war dann unser Plan, Felix und Alex in Alcudia zu treffen, über den Haufen geworfen. Allerdings haben wir dann die Firma vor Ort schon mal beauftragt, dass alte Gehäuse auszubauen und wenn das Neue da ist, auch wieder einzubauen. Haben sie auch gemacht. Also zumindest erstmal ausbauen. Und dann hieß es. Warten!



Hola, super geschrieben. So viel schon gemeistert. Noch ein paar Tage, dann geht’s weiter. Schön euch so begleiten zu dürfen.⛵
Danke schön!